Warum Hündin Aria zum Lesetraining kommt

Bericht (Auszug) in der Südwest Presse vom 9. Juni 2024 von Tanja Wolter

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Seit diesem Schuljahr steht bei Grundschulkindern lautes Lesen verpflichtend auf dem Stundenplan. Die Kinder bilden dafür Tandems – in einer Schule ist auch ein Hund mit dabei.

Lesen hat an der Gemeinschaftsschule Sulzbach an der Murr auch etwas mit Käse zu tun. Denn Hündin Aria mag nun mal Käse. Und wenn die vierpfotige Lesehelferin der Hunderasse Elo bei den Grundschülern ihren Job gut machen soll, gehören ein paar Leckerli zur Grundausstattung. Nach dem ersten Käsehappen fischt Aria mit der Schnauze einen Umschlag mit Wortkarten aus einer Kiste, die dann unter den Kindern verteilt werden. Eine Schülerin ist auserkoren, einen fehlerhaften Kurztext über Hunde vorzulesen, die anderen müssen die falschen Stellen erkennen und durch die richtigen Wörter von ihren Karten ersetzen. Mittendrin: Aria auf ihrem Teppich.

Alle Grundschulklassen der Gemeinschaftsschule im Rems-Murr-Kreis nehmen seit diesem Schuljahr am Programm „BiSS-Transfer“ zur Leseförderung und Sprachbildung teil. In ganz Baden-Württemberg sind es nach Angaben von Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) inzwischen 2071 der landesweit 2400 Grundschulen, und es werden immer noch mehr. Denn das Land hat nach dem Schock des IQB-Bildungstrends im Herbst 2022 reagiert und das Projekt „Starke Basis“ ins Leben gerufen. Die Bund-Länder-Initiative „BiSS Transfer“ – BiSS steht für Bildung durch Sprache und Schrift – ist ein Teil davon. Seit dem Schuljahr 2023/24 sind Lesetrainings an allen Grundschulen im Land verpflichtend. Demnach muss mindestens zweimal pro Woche Lautlesen auf dem Stundenplan stehen.

Kinder starten Leseunterricht mit einem Rap-Song

Bei einem hochkarätig besetzten Kongress mit rund 700 Beteiligten in Filderstadt wurde nun eine erste Bilanz gezogen. Aria war nicht anwesend, sie spielt die Hauptrolle in einem präsentierten Video. Lehrerin Carolin Kühnert nimmt ihren ausgebildeten Schulhund einmal wöchentlich in den Leseunterricht mit. „Die Kinder sind dann viel aufmerksamer und auch ruhiger“, erzählt sie. Doch das ist nicht die einzige Besonderheit in Sulzbach. Kühnerts Kollege Oliver Steer hat mit der Klasse 4a ein eigenes Lied einstudiert. Zu Beginn jeder Leseeinheit stehen die Kinder auf und rappen los: „Biss … wir sind bereit. Biss … für die Lesezeit. Lesen ist kein Quark, Lesen macht uns stark!“ Inzwischen kennt jedes Kind an der Schule das Lied, von dem es auch ein Video gibt. Steer hat sogar schon gehört, wie es jemand auf der Toilette trällerte.

Ein Hund und ein eigener Song sind aber die große Ausnahme. Kernbestandteil der Leseförderung ist das Lautlesen in einem Tandem. Dabei bilden ein im Lesen stärkeres Kind und ein Kind mit schwächerer Lesekompetenz eine Zweiergruppe. Auf ein Startsignal hin beginnen beide halblaut einen Text zu lesen, möglichst synchron. Wer gut lesen kann, nimmt die „Trainer“-Rolle ein und darf unterbrechen, verbessern und natürlich auch loben, der andere Tandempartner hat die „Sportler“-Rolle. In den 20-Minuten-Einheiten sollen die Texte mehrmals gelesen und eingeübt werden.

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